16.09.19

Über Systemkritik, Youtube, Facebook, die Creators, die neuen Alternativen Medien und "Lebensgrundlagen"


Achtung Bullshit!! +++ Achtung Bullshit!! +++ Achtung Bullshit!! +++ Achtung

Nachdem nun auch jetzt dem letzten Google-CEO klar wurde, dass Youtube nie Geld verdienen wird sondern nur Kosten produziert, zieht Google die Handbremse langsam an (so Hagen Grell). Und beginnt bei der Monetarisierung der "Creator". Google stelle also die anteilige Ausschüttung von Werbeeinnahmen an die Video-Macher ein. Zuerst bei diesen Creators, die Google sowieso den meisten Ärger und viel Arbeit macht. Die "Politkritiker" und "Widerständler". Das diese Sparte einst eine gute Einnahmequelle war ergibt sich aus der Masse an politisch unzufriedenen Europäern automatisch. Nach der "Demonetarisierung" taucht da für Einige ein Problem auf, dass zum Teil mit neuen Plattformen gelöst werden soll. Mehr oder weniger gelungen:


Anders als Tim Kellner (Prometeus) gibt Hagen Grell (frei³) das auch ganz offen zu und spricht ein Problem an, welches der eigentliche Knackpunkt ist. Das Hosting der Videos. Und das im 4K-Zeitalter.

Einen oberflächlichen (optischen) Ersatz für YouTube, Twitter und Facebook zu schaffen dürfte noch zu stemmen sein. Für so etwas bekommt man sicher ein paar hunderttausend Euros im Crowdfunding zusammengekratzt. Damit kann sicher ein brauchbares oder sogar hübsches Frontend geschaffen werden, was alles unter "einem Dach" zusammenführt. Aber die gigantischen Datenmengen der Videos sind ein gewaltiges Problem. Ich habe die veröffentlichen Kostenschätzungen von Google dafür nicht nicht im Kopf aber es geht locker um Milliarden. Da müssen also schon "ne Menge" Sponsoren und/oder Werbetreibende überzeugt werden, etwas abzudrücken. Ganz schwer wird es, wenn der Konsument etwas bezahlen soll. Da kann die Politikverdrossenheit noch so groß sein, sobald es ans Konto geht wird der Bürger zickig.

Um also dieses gigantische Problem zu lösen müsste eine fast vergessene Technik wiederbelebt und für den Stream umgebaut, bzw. optimiert werden. Die gute alte "Peer-to-Peer-Technologie" (oder auch File Sharing genannt. Quasi so etwas wie Gnutella, eDonkey oder FastTrack), also das stückweise Verteilen eines Videos in Abschnitten (Parts) auf die Rechner, Handys, Pads und "Network Attached Storage" (NAS) Systeme der User. Und das mit einem zentralen Systemmanagement, dass die zerstückelten Videos am Ende wieder zu einem flüssigen Stream zusammenfügt. Das wird dann zwar kaum noch Serverfarmen mit massenhaft Speicherplatz erfordern, dafür jedoch einige Hochleistungsmaschinen in Hochleistungsrechenzentren mit Hochleistungsnetzanbindung.


Und es wird noch etwas benötigen.. das Einverständnis und die aktive Mitwirkung der User, die sich eine - eigens für diesen Zweck geschaffene - Software auf ihre Handys, Pads, Rechner und NAS (wie lautet eigentlich der Plural dafür? Nasses?) - mit all ihren verschiedenen Betriebssystemen - installieren, Speicher dafür reservieren und vorallem Bandbreite und Datenvolumen hergeben. Viele tun das zwar bereits, indem sie ihre - als BotNodes - verseuchten Geräte einschalten, allerdings findet das Unredliche immer heimlich statt und wird im Volksmund "Virus" genannt. Andere nennen das schlicht "Google Photos" :-) Will nun eine "gute Sache" als Organisation das ganz offiziell und fragt vorher bzw. bittet darum, knallen die Deutschen durch. Da plöppen aus allen Ecken Bedenkenträger und Aluhüte auf. Das wird also eine ganz ganz komplizierte Sache. Nehmen wir einmal an eine Plattform fände 3-4 Millionen Menschen die dazu breit wären, bleibt oft die Hürde der Softwareinstallation. Das muss so simpel wie WhatsApp sein. Gerätegruppen- und betriebssystemübergreifend. WOW.., alles in Allem eine Mordsaufgabe. Wer das realisiert, hat den totalen Durchbruch geschafft, wird steinreich und spätestens dann Teil des Systems, das er mit seiner Plattform kritisieren wollte. Aber glauben wir ruhig weiter an Philanthropie und Altruismus. Denn ohne diesen Glauben wird das sowieso nix. Bekloppte glauben an die Klimareligion, wir an Philanthropie und Altruismus im Auftrag der Demokratie. Manchmal frage ich mich, wer eigentlich die Bekloppten sind..

Bis dahin werden wir uns über eines klar sein müssen.., keine Alternativplattform wird mal eben so die finanziellen und technischen Ressourcen von YouTube, Facebook oder Twitter generieren können. Selbst mit dem gutmütigsten Crowdfunding und bezahlenden Usern nicht. Als härtesten Knackpunkt sehe ich die oben beschriebe technische "Lastverteilung". Kennt ihr noch das "Seti-Project"? Vor allem SETI.Germany mit dem größten deutschen Netz für verteiltes Rechnen? Das Projekt setzt eine Software namens "BOINC" ein, um ressourcenfressenden Berechnungsaufwand auf privaten Computern und Handys (ect.) auszulagern. Grundsätzlich.., nicht nur für die eigentliche SETI-Forschung.



Habt ihr davon schon mal gehört? Nein? Und wenn ja, läuft auf irgend einem Gerät bei euch "BOINC"? Nee, gell!? Siehste..! Und dabei geht es um Universitätsprojekte die nur einen latenten Teil der freien unbenutzten Prozessorkapazität nutzt. Kaum Speicher und noch weniger Datentransfer. Jetzt überzeugt mal die Leute, etwas von ihrem Speicher und Datenübertragungsvolumen rauszurücken. Nicht ein paar Hundert, sondern Zigtausende oder Millionen von Nutzern. Ein Programm zu schreiben, das die Datenlast verteilt ist also nicht das wirkliche Problem, wie "BOINC" oder früher "Napster" beweist. Die Menschen sind das Problem. Aber ohne die geht es nicht.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die heutigen Protagonisten der "neuen, freien Alternativplattformen" sich darüber im Klaren sind. Hagen Grell scheint das jedoch - aufgrund seiner beruflichen Historie - zu dämmern. Sein "Frei hoch Drei (frei³) - Projekt" besitzt dafür grundsätzlich Schnittstellen. Auch wenn er mit seiner "Informationsbündelung" bislang eher einer "if fail then next"-Taktik folgt (ist eine Information irgendwo verschwunden, sucht das System einfach eine andere Quelle) scheint er zu wissen, dass "frei³" niemals den ganzen Content selbst hosten kann. Nehmen wir einmal an, "frei³" findet tatsächlich eine Millionen "9-Euro-Paten", generiert also monatlich neun Millionen Euro (brutto), dann wären damit vielleicht so eben die Kosten für die notwendige breitbandige Anbindung der (bis dahin nicht vorhandenen) Hostingsysteme an die Backbones inkl. Transferkosten finanziert. Also quasi die losen Kabelenden in den Rechenzentren. Nicht vergessen, wir reden hier nicht von statischen Webseiten mit etwas Foto- und Textinhalten sowie ein paar optische Spielereien, die mehr oder weniger auf dem Client aus ein bisschen PHP-Code gerendert werden. Wir reden hier von HD- und 4K-Videos die individuell (also per Unicast) gestreamt werden. Ich will jetzt keine Definitionen von Unicast, Broadcast und Multicast verfassen. Das könnt ihr euch ja hier und hier anlesen.

Also noch einmal.., nehmen wir an, Hagen Grells "frei³" generiert monatlich neun Millionen Euro Bruttoeinnahmen, könnte davon vielleicht eine skalierbare Anbindung der Plattform ans Internet finanziert werden. Bis dahin hängt da aber nicht eine Festplatte mit Videos oder Sonstwas dran. Für eine ebenso skalierbare Data-Serverfarm schüttle ich jetzt einmal geschätzte Kosten von ca. 1000 Euro pro Einheit aus dem Ärmel. Jetzt lass uns mal annehmen, auf eine Einheit passen 150 Terrabyte Daten und Videos. Natürlich nicht auf normalen, alten mechanischen SATA-Platten (die sind zu lahm) sondern aktuelle V6-NAND-Speicher. Wie viel davon erforderlich wäre, könnt ihr euch hier ausrechnen.


Wenn ihr ein modernes Handy habt und macht damit mal ein ca. 30 minütiges 4K-Video, wisst ihr was das an Speicher frisst. 150 Terrabyte sind also "NIX"! Vor allem wenn wir gerade von einer Millionen "9-Euro-Paten" ausgehen, die die Netzanbindung finanzieren und natürlich auch Videos darüber teilen wollen. Gehen wir also fiktiv von 1000 erforderlichen Einheiten aus (was reell ziemlich unterdimensioniert ist). Rechnen könnt ihr selbst - ergo 1 Mio Euro monatlich pro Serverfarm. Alles bisher nur ganz grob über den Daumen gepeilt und absolut blauäugig kalkuliert. Soweit, so teuer. Nun ist bislang noch gar keine Redundanz einbezogen. Gehen wir einfach von einer Dreifachredundanz in drei Datacentern aus. Das verdreifacht natürlich die Kosten. Bis hierhin haben wir aber quasi nur das grobe Prinzip eines RAID-Level-3 auf die Datacenter angewendet. So läuft das allerdings eigentlich nicht mehr. Wollen wir es richtig machen, wenden wir das Schema eines RAID6 auf ein "Datacenter Redundant Array" an. Ergo brauchen wir mindestens ein Viertes, womit wir dann bei vier Millionen Euro liegen. Nur für die Daten und Redundanz gegen Ausfälle. Hatten wir schon über die Kosten für die Controller gesprochen, die aus den "parted datas" des Redundanzsystems wieder die Streams machen? Oder über die Controller und Load-Balancer gegen Hacker-Angriffe inkl. Management? Puhh.. lassen wir das. Aus dem Ganzen können wir jetzt ein paar Sachen mitnehmen:

  • Eine ganz kleine Ahnung, was Google, Amazon und die anderen BigPlayer investieren
  • Die Erkenntnis das NIEMAND etwas Ähnliches alleine stemmt
  • Jede Phantasie, eine "Alternative" auf diesem Prinzip wäre finanzierbar ist Quatsch
  • Hagen Grell hat ganz sicher niemanden mit seinem Crowdfunding über den Tisch gezogen (ich lach mich scheckig)
  • Hagen Grell hat ganz sicher viel privates Geld in das Projekt "frei³" investiert (sicher.., nur nicht seins)
  • Das Frontend (also das was wir sehen) von "frei³" ist nur ein winziger Posten in der Gesamtinvestition (Ja.., so ca. 15,50€) 😂😂😂
Wir sollten diese Peer2Peer-Version als Vision wirklich ernsthaft als finanzierbare Alternative im Auge behalten.

Vergleichen wir "frei³" jetzt mit Kellners "Prometeus" fällt zumindest mir eines sofort auf. Hagens "frei³" gibt sich als Beta-Version aus, ist aber schon relativ gut bedienbar. Natürlich ist da noch ganz viel Luft nach oben, da sich "Neulinge" oder die Menschen, die bislang nur Facebook kannten, doch erheblich umgewöhnen müssen um sich zurechtzufinden. Ich schätze, Hagen wollte den Launch nicht noch einmal verschieben, so dass wir jetzt tatsächlich auch eine Beta-Version sehen. "Prometeus" allerdings soll fertig sein. Ähhm.., "fertig" in welchem Sinne? Bleibt das bei dem total unübersichtlichen Gewusel und Gezuppel der Oberfläche, die Unruhe ausstrahlt und Inhalte doppelt und dreifach anzeigt? Ich will Tim wirklich nicht zu nahe treten (nein, das ist keine einleitende Beleidigungsfloskel), aber mit einer Social-Media-Plattform im Sinne von "wir machen Facebook oder YouTube neu" hat das nicht viel zu tun. Im übrigen hatte ich dort bereits sechs oder sieben mal versucht ein Video zu platzieren, was mir nie gelungen ist. Weiter als bis zu einem "Wir prüfen Dein Video"-Screen bin ich nie gekommen. Und was aus den Versuchen geworden ist weiß ich auch nicht, da es nicht eine einzige Benachrichtigung gab. Auch eine Support-Anfrage blieb unbeantwortet. "Prometeus" scheint also eher eine Plattform von Tim Kellner für Tim Kellner (& Friends) zu sein. Ganz weit weg von sogenanntem "Social Media" wie wir das assoziieren. 

Fazit: Sofern Facebook, Youtube und Twitter nicht über Nacht kollabieren, wird dem wechsel-willigem User nicht viel anderes übrig bleiben, als sich gewaltig neu einzugewöhnen. Wer vorher schon in klassischen Internetforen unterwegs war, dem gefällt bestimmt "frei³" vielleicht schon ganz gut. Aber auch hier sollte man sich etwas Zeit nehmen und ausprobieren. Schön bei "frei³" ist jedenfalls, dass man seine Versuche auch selbst wieder ändern oder löschen kann. (Aber nicht versehentlich die ganze Plattform löschen). Hagen muss aber auf jeden Fall noch ein paar "Lernvideos" machen. (Oder doch eher anschauen?). Das wird sich allerdings jedoch erst lohnen, wenn aus der Beta-Version eine 1.0-Version geworden ist. 😂😂😂

Oder schauen wir uns doch einmal ⇥ diese Einschätzung ⇤ an.

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